rongin shagor / রঙিন সাগর

WILL YOU REMEMBER TO KEEP US AFLOAT?

Mit Beiträgen von Jumoke Adeyanju, Amira Zarari, Abdalsalam Al Haj, Ozan Zakariya Keskinkılıç, Abdulrahman Kambal, Akinbode Akinbiyi u.a. | Digitale Plattform | Veröffentlichung im Herbst 2022 | Eröffnungsveranstaltungen am May-Ayim Ufer und im Oyoun | Datum folgt

rongin shagor রঙিন সাগর bedeutet aus dem Bengalischen übersetzt soviel wie „vielfarbener Ozean“ – der Ozean als Träger von Erinnerungen: Wie unsere Körper Träger von Erinnerungen sind, was uns in direkte Beziehung zu Gewässern setzt.

„Will you remember to keep us afloat?“ – stellt wiederum eine Frage an den Ozean, der gibt und nimmt, und schafft eine Parallele dazu, wie und wer die Erinnerung in unserer Welt gestaltet. Wer bleibt über Wasser und wird daran erinnert, dass sie/er über Wasser bleibt? Wer wird von den Gezeiten verschlungen und gerät in Vergessenheit?

Ausgehend von einem Gedicht der afrodeutschen Dichterin May Ayim reflektiert Oyouns neue künstlerische Intervention “rongin shagor” über Erinnerungskulturen, indem sie die reflektierenden und generativen Fäden kultureller Formationen erforscht, die in den Sinnen des unterdrückten Körpers liegen. Diese Fäden zurückzuverfolgen und neu zu weben, ist die unaufhörliche Aufgabe von Kulturen, die dem Kolonialismus ausgesetzt waren. Kollektive Erinnerung entsteht aus Sprache, und Muster der kollektiven Erinnerung beeinflussen die Sprache als sozial und kulturell geteilte narrative Gattungen. Das Projekt versucht, eine Konstellation des Erinnerns zu schaffen, indem es kulturelle Antworten und transnationalen Dialog miteinander verwebt. Dieser multimodale Raum schafft einen Bruch zwischen Stimme und Stille, dem Mündlichen und dem Visuellen und ist ein Versuch, das Überleben der sensorischen Kulturen in der heutigen Welt zu sichern.

In Form eines virtuellen künstlerischen Kettenbriefs untersucht “rongin shagor” das Konzept von Überlieferung, indem es andere in den Diskurs darüber einbezieht, wie unsere Geschichte unser heutiges Handeln prägt. Eine Reihe multidisziplinärer und mehrsprachiger Künstler*innen wird auf das Gedicht „Community“ von May Ayim reagieren, einer Vordenkerin und Schlüsselfigur der afrodeutschen Bewegung, die diese bis zu ihrem viel zu frühen Tod 1996 geprägt hat.

“rongin shagor – der vielfarbene Ozean” – symbolisiert dabei die Vielfalt der poetischen und künstlerischen Interpretationen und Inspirationen, die aus einem Gedicht hervorgehen. Sie treiben, schiffen sich ein, kollidieren und halten sich über Wasser – alles an ein und demselben Ort, wobei sie jeweils Ansätze zu unterschiedlichen Kämpfen in der Identitätspolitik markieren. Träume, Visionen und assoziative Vorstellungskraft der Poesie werden durch ein kollektives Wachstum einzelner, aufeinander aufbauender Kunstwerke verstärkt – angefangen mit oben erwähntem Gedicht von May Ayim. Die Reaktionen interdisziplinärer Künstler*innen auf dieses Werk werden “rongin shagor” prägen und den Weg für weitere Partizipation ebnen.

Die durch die Kolonialzeit verursachte Auslöschung – mit der parallelen Erzählung der Pandemie – fordert uns heraus, uns den Realitäten des Verlustes zu stellen, des Verlusts der Verbindung, des Verlusts der mündlichen Überlieferung, des Verlusts des Rituals, des Verlusts geliebter Menschen, des Verlusts der körperlichen Berührung, des Verlusts der Gerechtigkeit. Bei all diesem Verlust besteht die Notwendigkeit, einen gemeinsamen Raum zu schaffen, in dem die Herausforderungen sichtbar und hörbar gemacht werden, mit denen die verschiedenen Diaspora-Gemeinschaften in Berlin und darüber hinaus konfrontiert sind. Dieses partizipatorische Online-Projekt wird versuchen, mittels Kunst einen Knotenpunkt des Wissens zu schaffen und einer breiteren Gemeinschaft zugänglich zu machen, damit diese sich im Laufe der Zeit an den Diskursen beteiligen kann.

Als hauptsächlich digitales Projekt mit Manifestationen im physischen Raum befasst sich “rongin shagor” mit den Interaktionen zwischen europäischen Nationen und den von ihnen kolonisierten Gesellschaften, indem es sich mit Fragen der Identität, Sprache, Repräsentation, Vertreibung, Migration, Widerstand und Handlungsfähigkeit auseinandersetzt. Die künstlerischen Antworten werden sowohl on- als auch offline geteilt und gipfeln in einer digitalen Plattform, die noch in diesem Jahr an den Start gehen soll und von einer physischen Eröffnung am May-Ayim Ufer und im Oyoun in Berlin begleitet wird.

Die Ausstellung „May Ayim: Dichterin. 1996.“ von Akinbode Akinbiyi beinhaltet die erste einer Reihe von künstlerischen Antworten auf May Ayims Gedicht „Community“. Im Laufe der nächsten Monate werden mehrere Künstler*innen, die die Dichterin teilweise selbst gekannt haben, ihre eigenen künstlerischen Antworten geben, und damit einen größeren Corpus schaffen, der sich in Form einer im Herbst diesen Jahres startenden Plattform manifestieren wird.

Die Ausstellungseröffnung mit Künstlergespräch (Akinbode Akinbiyi) und Livestream findet am 10. Juni im Oyoun statt.

Zeitplan:

18:00 – Eröffnung
20:00 – Gespräch mit dem Künstler Akinbode Akinbiyi und Muhammad Salah Abdulaziz im Oyoun-Garten.

Die Ausstellung ist vom 11. bis 30. Juni täglich zwischen 12 Uhr und 20 Uhr geöffnet.

>>> EINTRITT FREI!

Credits

Konzept: Madhumita Nandi
Kuration, künstlerische Leitung: Anja Saleh, Madhumita Nandi
Kommunikation: Tariq Bajwa
Design: Chhandak Pradhan
Funding/ Admin: Sophia Schmidt, Paul Räther