AS* PAPANGUS

our carnival, our body, our fight

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Unser Karneval, unser Körper, unser Kampf

Im Oktober 2019 traf ich Papangus, in der Stadt Bezerros in Pernambuco, Brasilien. Die Papangu-Maske ist seit mindestens einem Jahrhundert Teil der Vorstellung von Pernambuco und wird von den Menschen auf den Straßen während des Karnevals belebt, ergänzt durch ein Ganzkörperkostüm. Die Einwohner*innen von Bezerros sagen, dass die Maske von den Männern benutzt wurde, um den Karneval vor den Frauen* verborgen zu feiern, dass sie sich in Papangu verkleideten und unerkannt feierten. Und wo sind in dieser populären Vorstellung die Papangu-Frauen*? (Bruna Amaro)

AS* PAPANGUS ist ein Karneval für, von und mit Frauen*, das keine marginalisierten Körper objektiviert.

In AS* PAPANGUS führt die afro-brasilianische Künstlerin Bruna Amaro mit über 50 Frauen* in São Paulo und Berlin einen Karneval in seiner queer*feministischsten und dekolonialsten Form auf. Unter den Papangu-Masken verschwinden die Gesichtsidentitäten und es entsteht ein kollektiver Körper. Dieser Körper ist ein Schlachtfeld für das Überleben, den Widerstand und den Wiederaufbau. AS* PAPANGUS ist eine Zusammenkunft von Kämpferinnen*, um ihr Leben und Überleben zu feiern und zu ehren.

AS* PAPANGUS Workshop

In diesem partizipatorischen Projekt wird in einer Reihe von Performance-Workshops der Grundstein für die folgenden Aktionen gelegt. Während des zweitägigen Workshops in São Paulo erarbeiten die Künstlerin und die Teilnehmenden gemeinsam Bewegungen und Aussagen für die Straßenperformance. Die Aussagen, die Erfahrungen des Überlebens, der Transformation, und der Arbeit ausdrücken, werden auf die Kostüme gestickt, die von Bruna Amaro und der Näherin Eliana Amaro dos Santos, handgefertigt wurden.

Bei der Aufführung am 10. April laufen 40 Frauen* mit der Papangu-Kleidung durch die Straßen von São Paulo, mit den Aussagen auf der Brust, in handgefertigten Requisiten, und zur festlichen Musik tanzend. Sie lassen ihre Körper sprechen und die Körper werden zu Fahnen des Triumphs.

AS* PAPANGUS Straße

In der anschließenden multimedialen Ausstellung im Oyoun Berlin vom 30. April bis 27. Mai wird die Videodokumentation der Karnevalsperformance in São Paulo auf die Kostüme und Masken projiziert. Die Kostüme aus São Paulo werden von 10 Frauen* in Berlin wieder aufgegriffen, die an einem zweitägigen Workshop und der anschließenden Straßenperformance in der Nachbarschaft von Oyoun teilnehmen. Andere FLINTA*Personen sind eingeladen, sich der Prozession durch die Straßen von Neukölln anzuschließen.

Ich verstehe die Papangu-Maske als ein Objekt, das das Gesicht und den Körper bedeckt, in direkter Anlehnung an einige Kulturen des Westens des afrikanischen Kontinents — wie die Geledes der Yoruba und das Volk der Bobo in Burkina Faso. Ich sehe die Maske auch als magisches und mächtiges Objekt, wie im Noh- und im balinesischen Theater — der Auslöser der Inkarnation. Wir werden die Papangu-Maske aktivieren, während wir unsere bedeckten Gesichter und entblößten Körper feiern und das Recht auf festliche Anonymität einfordern. (Bruna Amaro)

In patriarchalischen Gesellschaften haben oft nur Männer das Recht, auf der Bühne aufzutreten und Masken als performatives Werkzeug und künstlerisches Ausdrucksmittel zu tragen — so auch in Bezerros-Tradition, wo nur die Männer die Papangu-Masken getragen haben. Mit AS* PAPANGUS stellt Bruna Amaro die Frage: Wer darf anonym sein, wer darf sich von sozialen Normen befreien, wer darf sich dem Moment der Befreiung hingeben? Papangu-Frauen* auf den Straßen von São Paulo und Berlin fordern das Recht auf das Maskieren zurück und beleben seine magische Kraft.

AS* PAPANGUS setzt sich kritisch mit der kolonialen Struktur des Karnevals auseinander, indem es dem unterdrückerischen Blick wachsam begegnet und die Ausbeutung von queeren, rassifizierten Körpern, Körpern der Frauen*, Körpern mit Beeinträchtigung und strukturell unterdrückten Körpern nicht zulässt. Papangu-Frauen* gehen nicht auf die Straße, um konsumiert zu werden, sondern, um sich selbst zu feiern.

AS* PAPANGUS eröffnet das erste Kapitel von Oyouns kuratorischem Schwerpunkt Mightier than a Trampled Flower, der das Leben von Frauen* in Kriegen im dekolonialen Kontext in den Mittelpunkt stellt und die kanonischen Narrative von Frauen* im Krieg dekonstruiert.

 

Kuratorin: Dami Choi (Oyoun)

Produziert von Oyoun Berlin mit freundlicher Unterstützung vom Goethe-Institut São Paulo.

Für das öffentliche Programm von AS* PAPANGUS, clicke hier.

AS* PAPANGUS sketch by Bruna Amaro
Bruna Amaro

Mitwirkende

Performers São Paulo

Thais Aline Ferreira Lúcio da Silva, Flávia Fernandes Belletati, Carmen Cardoso Garcia, Ana Paula da Paz Alves, Juliana Bueno, Iasmin Souza Ribeiro, Larissa Maranho, Clarissa Teixeira Ximenes, Anelise Torres Blanco, Camila de Sousa Trindade, Gabriela Bergamasco, Ana Luiza Chieffi, Iara Santa Clara Coutinho, Graciela Pereira Cruz Soares, Mariana Queiroz da Silva, Melissa Menezes, Gabriela Zuculin, Andressa Arena da Silva, Núria Cordeiro Vieira, Tatiana Burg Mlynarz, Tereza Ferreira Zolli, Verônica Borges Carneiro da Conceição, Gabriela Raphael Duarte, Roseli de Lima Santos, Maíra de Souza Oliveira, Tatiana Cristina de Argenton e Queiroz, Alessandra Cristiane de Mello, Natália Onori Ferraz, Paula Montes, Ana Lucia da Silva Santos, Jucilene Braga Rodrigues, Julia Lima, Nyx Helena Tunes Zampieri, Lourdes Arasy Benítez Espinola

Contributors São Paulo

Eliana Amaro dos Santos (Seamstress)
Paula Correa Pedroso (Producer)
Yve Zolli Nolasco (Producer)
Fernanda Andrade (Videographer)
Suellen Santana Amaral (Videographer)
Cássia Roberta Araújo de Oliveira (Photographer)
Maria Clara Silva Loureiro (Photographer)

Performers Berlin

Pamela Bassi, Natalia Aly, Mizgina Rengin, Mayara Teston Barrios, Katia Akemi, Jarita Freydank, Jahia, Fatima Ismayilova

Contributors Berlin

Yuki Kojima (Fabric installation in the staircase)
Thais Nepomuceno (Videographer)
Natascha Gass (Photographer)