Mightier than a Trampled Flower

women* in (post-)war, demystifying woman*hood and queer-feminist alliance

Mightier Than a Trampled Flower
Illustraion artwork "Ishtar and the Mightier Flowers" by Dariushka Alexander

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Frauen* in (Nach-)Kriegszeiten, Entmystifizierung des Frau*seins und queer*feministische Allianzen

In den letzten Jahrhunderten wurden wir Zeug*innen von zahlreichen Kriegen, durch die Töten und Sterben verherrlicht und Gewalttaten gegen die (menschliche) Natur gerechtfertigt wurden. Ohnehin in materiellem Überfluss schwelgende Nationen rissen vielerorts die Herrschaft an sich und lösten weitere Entfremdung unter den Menschen aus. Die Illusion des Sieges und der Wille zur Eroberung zerfallen in Trümmer, in denen die Nachkriegswelt kaum zu Atem kommt.

Frauen* befinden sich mitten in diesem brennenden Gemetzel. Frauen*körper werden durch Kriege zum Schlachtfeld, sie erleben diese intensiver und ihre Strukturen werden internalisiert. Frauen* in Kriegen durchleben innergemeinschaftliche, nationale, und koloniale Gewalt. Die Erfahrung von Frauen* im Krieg ist jedoch mehr als ein traumatischer, viel mehr als ein rein pathologischer (Geistes)Zustand. Frauen* im Krieg sind mitnichten nur arme Opfer, sie sind rauer, stärker als zertrampelte Blumen. In all ihrem Tun für das Überleben sind sie wie brennende Tiger, die um ihr Leben kämpfen.

Mightier than a Trampled Flower ist ein Zeugnis für Frauen* in Kriegen, gegen die marginalisierende Geschichtsschreibung. Es beleuchtet die Kämpfe von Frauen*, deren Chroniken mit der Kolonialgeschichte und der dekolonialen Bewegung verwoben sind: Frauen* in Brasilien inmitten des allgegenwärtigen Femizides, Widerstandskämpferinnen* im algerischen Unabhängigkeitskrieg und “Trostfrauen”, die Überlebenden der sexuellen Versklavung durch die kaiserliche japanische Armee. Imperialistische Kriege wurzeln in der Illusion der Herrschaft – der Illusion, die versucht, die Realität von Frauen* zu bedingen. In dieser neu definierten Realität durchleben Frauen* Vertreibung und Verlagerung. Durch Migration und Exil, somatische Remobilisierung und Neuzuweisung der sozialen Rollen, divergieren die Frauen* weiterhin und definieren neu, was Frau*sein sein kann.

Zahlreiche Darstellungen von Frauen* im Krieg sind symptomatisch für patriarchalisch-koloniale Unterdrückung: sanfte Krankenschwestern*, aufopfernde Mütter*, weibliche Heldinnen*, die eine Nische inmitten der männerdominierten Schlachterei schaffen. Mightier than a Trampled Flower dekonstruiert die Fetischisierung einer „zertrampelten Blume“- zerbrochen und fragil, aber immer noch hübsch und weich, setzt sich mit der Genderbinarität in unserer Sprache auseinander und fordert das Frau*sein in die Hände von Kämpferinnen* zurück.

Im Geiste von Unthinking Mastery (Julietta Singh, 2017) praktiziert Mightier than a Trampled Flower Wachsamkeit gegenüber- und Träumen jenseits der Herrschaft. Herrschaft entwickelt sich dort, „wo man sie am wenigsten erwartet,“ also gerade in unseren eigenen Bemühungen um die dekoloniale Menschheit. Mightier than a Trampled Flower ist eine Plattform für queer*feministische Allianzen des kollektiven Lernens und des intersektionellen Widerstands, die auf Taktiken der (Gegen-)Herrschaft und Reproduktion der Gewalt, Beherrschung und Ausgrenzung verzichtet.

Mightier than a Trampled Flower ist ein fortlaufender kuratorischer Schwerpunkt von Oyoun Berlin mit künstlerischen Projekten, die sich mit verschiedenen Formen des Frau*seins im Krieg befassen. Der Schwerpunkt startet im April 2022 mit dem Projekt AS* PAPANGUS von der afro-brasilianischen Künstlerin Bruna Amaro. Neben dem öffentlichen Programm und der Präsentation der Projekte findet in Rahmen von Mightier than a Trampled Flower eine Reihe von virtuellen Workshops statt, in denen Künstlerinnen*, Denkerinnen* und Aktivistinnen* zusammenkommen und sich mit grundlegenden Fragen auseinandersetzen.

Dieser kuratorische Schwerpunkt wird von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa unterstützt.

Künstlerische Leitung: Dami Choi, Louna Sbou.