a'21 Festival  

Ausstellung

Oyoun produzierte das a`21 Festival, ein Projekt das technologische Entwicklungen und gesellschaftspolitische / machtkritische Diskurse künstlerisch reflektiert.
Beteiligt waren 69 Künstler*innen in 16 Ländern (Afrika/ Swana/ Europa/ Asien) sowie ein radikales kollaborativ-experimentelles LAB. Entstanden sind dabei insgesamt über 50 Veranstaltungen : Performances, Workshops, Panels, Screenings, VR Hackathons, uvm.

Die im Folgenden beschriebene Ausstellung ist ein Ergebnis dieses Festivals.

 

 

Synthetic

von Ozan Atalan

Das Video Synthetic beinhaltet u.a. Material, das von drei Teilnehmer*innen des A’21 Labs – Amirali Ghasemi, Eda Sütunç und Forough Fami – gesammelt wurde. Es ist eine Visualisierung von Misstrauen gegenüber dem Informationsfluss in den digitalen Medien. Da Interfaces durch eine audiovisuelle Interaktion mit ihren Codes selbstreferentiell gestört werden, entpuppt sich dieser neue hybride, aus einem dekonstruktivistischen Ansatz entstandene Look als eine neue Interface-Bildersprache. Das Video hat einen experimentellen Charakter und verbindet die Ideen der Desensibilisierung gegenüber Fakten durch den extremen Gebrauch digitaler Medien mit der Suche nach dem Poetischen in den Informationstechnologien: das Video hebt die von der menschlichen Wahrnehmung unabhängige wahre Natur der Dinge gegenüber der Art und Weise, wie wir sie interpretieren hervor – und vermeidet damit die Ignoranzfalle einer Kultur, die sich von “alternativen Fakten” blenden lässt.

„Farbe und Aussehen der Kleidung sind eigentlich menschenunwürdig und ich frage mich immer wieder, wie ich als Kunststudent nur auf die Idee kommen konnte, ein solches Familienunternehmen zu betreiben. Vielleicht wegen der Anziehungskraft des Glanzes und der leuchtenden Farben der Stoffe, mit denen ich aufgewachsen bin: die vielen Stoffballen, die sich zu Hause stapelten; Mama und Haji [mein Vater], die nachts vom Basar zurück kamen und anfingen, sie wieder und wieder zu rollen und zu falten. Ich genoss den Anblick und bewunderte ihre Geschwindigkeit beim Rollen der Bolzen: „Der Tanz der Stoffe zwischen den Kartons und dem Packpapier.“

 

The Parachuter

Ein dokumentarisches VR-Projekt von Nebras Hoveizavi in Zusammenarbeit mit Siavash Naghshbandi & Amirali Ghasemi

In ihrem ersten VR-Video „Chatrbaaz (چترباز)/ The Parachuter“ erforscht Nebras Hoveizavi ihre eigenen Erfahrungen und die einer Reihe von Augenzeugen und hinterfragt, wie die überlebenswichtigen Aktivitäten einiger Familien, die irgendwie die harte Zeit der Wirtschaftssanktionen überstehen mussten, als Schmuggel bezeichnet werden können. Und sie thematisiert die mit diesen Aktivitäten verbundene Angst. Sie erzählt zahlreiche Lebenserfahrungen und Gedanken, die beim Überqueren von Grenzen und beim Passieren von Zollkontrollen entstanden sind. In Zusammenarbeit mit den Künstlern Siavash Nagshbandi und Amirali Ghasemi hat Nebras Teile dieser Reisen nachgestellt, die dem normalen Bürger in der Regel unbekannt sind. Die zur Erhaltung ihrer Macht von den Behörden installierten Überwachungskameras jedoch zeichnen diese Ereignisse sehr wohl auf.

„Der Kontrolleur würde mich ansehen und mir glauben, wenn er Lust dazu hätte, ansonsten würde er nach meinem Pass fragen, um meine Einreisestempel zu sehen, um zu entscheiden, ob ich durch die grüne Linie ohne Zollkontrolle gehen kann, oder, Gott bewahre, er könnte mich auf den roten Korridor, das Röntgengerät und die Tische am Ende der Halle verweisen, wo sie die Koffer für eine vollständige Durchsuchung öffnen.
Lange Rede, kurzer Sinn, bei dieser speziellen Reise hatte ich außer zwei Koffern voller Nachthemden auch eine Handtasche und eine Kameratasche voller Kleidung. Was soll ich sagen – statt der zwei Monate, die ich weg war, dauerte es ein ganzes Jahr bis ich wieder zurück kam…“

Die komplette Ausstellung könnt ihr hier sehen. 

 

 

Daisy

Love Me, Love Me Not
HTML/AR Projekt

Das einfache Spiel „Love Me, Love Me Not“ mit Gänseblümchen ist ein Spiel, bei dem eine Person versucht herauszufinden, ob das Objekt ihrer Zuneigung diese Zuneigung erwidert. In dieser App wird dieses Spiel mit einer nicht-binären Sprache gespielt, während die/der Teilnehmer*in ein Blütenblatt von einer Blume pflückt, um herauszufinden, ob das Objekt ihrer/seiner Zuneigung sie/ihn liebt oder nicht. Die Spieler*innen werden oft durch die Anziehung zu dem Objekt motiviert, von dem sie/er spricht – in diesem Fall die Stadt, in der sie/er lebt, während sie/ er die Phrasen rezitiert. Sie/er versucht, eine bereits bestehende Überzeugung zu bekräftigen.

 

DECOLONIZING IMAGINARIES : INVE[N]/[R]TING PARADIGMS

Kuratiert von Kounaktif

Postdigitale Ignoranz in Nordafrika bezieht sich auf die Unkenntnis unserer Wurzeln, unserer vorkolonialen Werte, Mythologien und Fatasien. Unsere Ausstellungen, unsere künstlerischen Konzepte und Inspirationen sind vom Westen beeinflusst, da das gesamte Ökosystem darauf ausgerichtet ist, zu verkaufen und Sammlern zu gefallen, die meist aus der westlichen Welt stammen oder von dieser stark beeinflusst sind, was wiederum die Kreativität und Authentizität der lokalen Kunstszene verzerren kann.

In diesem glokalen Kontext existieren und widerstehen zahlreiche Underground-Künstler*innen, die ihre Inspiration in ihren futuristischen Wurzeln finden und dabei die vorherrschende Ästhetik dekonstruieren, indem sie Störungen, Verzerrungen und Fehler einbauen.

 

Die Ausstellung könnt ihr hier besuchen.

 

Capthuman 

von Siavash Nagshbandi

Ein CAPTCHA ist eine Art von Challenge-Response-Test, der in der Informatik verwendet wird, um festzustellen, ob der Benutzer ein Mensch ist. Hier kämpfen wir täglich mit der Maschine, indem wir beweisen (müssen), dass wir Menschen sind.
Was, wenn wir die Maschine herausfordern, sich selbst zu identifizieren? Was hat die Bedeutung der Welten mit den Bildern zu tun, die entscheiden sollen, was richtig oder falsch ist?
Wir schaffen ein Fake-Captcha, um zu hinterfragen, was wir als Menschen aus der Perspektive einer künstlichen Intelligenz tun und wie uns Entscheidungen, die wir treffen, in Zukunft verändern können.

 

V´ R´ Storytellers

von Darağaç 

Die Ergebnisse aus dem Virtual Reality Workshop und Hackathon mit Darağaç könnt ihr hier sehen.

 

 

Exchanges Through The Silk Road

Kuratiert von DAHProject

Das Leben im Nahen Osten und den umliegenden Regionen kann sich in einem Moment anfühlen, als ob man sich in einem euphorischen Zustand befände, und im nächsten, als ob man in einer Art Vakuum schweben würde. Je mehr dieser Teil der Welt Sie zwischen seinem geheimnisvollen Himmel und der Erde umfasst, desto mehr werden Sie sich dabei ertappen, wie Sie ihn zu entschlüsseln versuchen. Ein Stück Poesie führt Sie zu sich selbst zurück, wenn Sie über seine Wegstrecken und seine Felder nachdenken. Im Nahen Osten wird seit der Antike Handel getrieben. Der Austausch von Informationen nimmt heute jedoch einen neuen Weg: die große Seidenstraße wurde durch bunte digitale Plattformen ersetzt, die uns bei der Übertragung unserer Informationen helfen sollen, durch Apps, die uns beeindrucken wollen und meist darauf ausgelegt sind, uns zu beruhigen und vielleicht sogar unser Leben auf irgendeine Weise still und heimlich zu verändern. Übertragen diese neuen digitalen Möglichkeiten unsere Informationen unangetastet?
>>> Erzeugen sie wirklich das richtige Bild von uns? >>> 🙁
>>> Erzeugen sie wirklich das richtige Bild von uns? >>> 😐
>>> Erzeugen sie wirklich das richtige Bild von uns? >>> :/
Diese Ausstellung umfasst die Arbeiten von Künstlern, die derzeit im Nahen Osten leben oder in der Vergangenheit dort gelebt und aus unterschiedlichen Gründen ihren Aufenthaltsort gewechselt haben. Heute basiert ihre Kommunikation auf digitalen Plattformen – im Gegensatz zu den traditionellen Wegen – und sie nutzen die vielfältigen Potentiale digitaler Technologien, um die unterschiedlichen Auswirkungen dieser Technologien auf Bereiche wie Kultur, Politik, Moral, Wissenschaft und viele mehr zu untersuchen.
Dabei haben sie die schnellen Veränderungen der digitalen Technologie im Hinterkopf und betrachten sie immer wieder mit einem skeptischen Blick. Andererseits nutzen sie deren Möglichkeiten vollumfänglich um sich Gehör zu verschaffen – als ob sie Meister im Umgang mit einem zweischneidigen Schwert wären.

 

Hier ist die Website zur Ausstellung: http://exchangesthroughthesilkroad.com/ 

 

Circular Reporting 2021

ein interaktives webbasiertes Projekt von Shaghayegh Kamyar

Wir leben in einer Zeit, in der persönliche Neigungen, Interpretationen und Standpunkte die Nachrichten/Informationen und Beweise verzerren, falsch darstellen und verfälschen. Infolgedessen ist werden die wesentlichen Ereignisse oft mit folgenschweren Gerüchten und unnötigen Details gespickt, die von der Wahrheit ablenken sollen. Was also am meisten zählt, ist unsere Perspektive und unsere persönliche Entscheidung, den wichtigsten Teil der gegebenen (Fehl-)Information aufzunehmen. Unser Projekt dreht sich um die Unterscheidung zwischen wahren und falschen Nachrichten, zwischen wahren Behauptungen und Lügen und um die Unmöglichkeit, Wahrheit zu definieren. Dieses interaktive Stück kann als ein Puzzle wahrgenommen werden, in dem man mehrere Fragmente eines Ereignisses in einer chaotischen Umgebung sehen kann. Der Benutzer kann versuchen, per Mausbewegung weitere Bereiche des Bildes zu durchstöbern und ein Gefühl dafür zu bekommen, worum es sich handelt, indem er die Cluster in seinem Kopf/auf dem Bildschirm auswählt und zuordnet. Erst dann kann man vielleicht erahnen, was in dieser Szene passiert ist oder was das Bild erzählen will.

Diese Veranstaltung ist Teil von a’21 – Post Digital Ignorance x Techno Utopia, #amberNetworkFestival
Das Projekt wurde finanziert durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin.
a’21 amberNetworkFestival fand zwischen dem 10. März und 18. Mai 2021 im Oyoun in Berlin und in den Netzwerkknoten amberPlatform (İstanbul), Darağaç (Izmir), New Media Society (Teheran), DAH Project (Shiraz), KounAktif (Casablanca), BAAB (Khartum), Shahraban (Baalbek), Bishkek Contemporary (Bishkek) und ADEF (Kairo, Berlin) statt.
a’21 amberNetworkFestival wird produziert von Oyoun Berlin (https://oyoun.de)
und konzipiert von amberPlatform İstanbul (https://ambernetworkfestival.org )