Fugitives Archives

Gemeinsam queere Archivierungspraktiken hinterfragen

 

 

 

Inspiriert von den Lehren dekolonialen und queer-feministischen Wissens und Erfahrungen wurde am Sonntag, den 27. Februar 2022, in der Amerika-Gedenkbibliothek ein partizipativer Workshop veranstaltet, um Fragen zu alternativen Medien und Ontologien zu queeren Archiven zu stellen, die die dominanten Narrative von queeren BiPOC-Geschichten in Frage stellen.

Nach einer theoretischen Diskussion über queeres und dekoloniales Archivieren durch Ahmet Onat stellten Ilgaz Yalçınoğlu, Merve Namlı und Selim Özadar die bahnbrechenden Ergebnisse ihrer Forschungen vor, welche darauf abzielt alternative Narrative der weißgetünchten Geschichte des queeren Nachtlebens in Berlin aufzudecken.

Im zweiten Teil des Workshops, der von Bilge Emir moderiert wurde, haben sich die Teilnehmenden mit kritischen Strategien und dem queeren BiPOC-Erbe auseinandergesetzt. Die Teilnehmenden diskutierten, wie öffentliche Institutionen, wie z.B. Bibliotheken, in Räume verwandelt werden können, die das Verlernen normativer Narrative ermöglichen.

 

ABOUT:

Ahmet Onat ist ein in der Türkei geborener und lebender Forscher im Bereich der soziokulturellen Anthropologie. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit spätliberalen Sicherheitsdiskursen, ephemeren Archiven, Flucht und der Politik von Geschlecht und Sexualität in der Türkei und Deutschland. Nach seinem Grundstudium der Soziologie an der Koc-Universität in Istanbul absolvierte er ein Aufbaustudium an der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin. Als Fulbright-Stipendiat studierte er später an der Columbia University in der Abteilung für Anthropologie und arbeitet derzeit an seiner Masterarbeit.

 

Bilge Emir, die hauptsächlich in den Bereichen Illustration und Video arbeitet, ist Absolventin der Visuellen Kommunikation an der KHB Weißensee und lebt seit 2017 in Berlin. Ihre Praxis ist geprägt von der Kombination ihrer Erfahrungen mit zeit- und raumbasierten Medien, um vielschichtige Narrative des visuellen Geschichtenerzählens zu entwickeln. Neben ihrer Soloarbeit schätzt sie kollektive Produktionen und war Teil des Videokollektivs artıkişler, der studentischen Organisation Interflugs und aktuell des Medienarchivierungskollektivs bak.ma.

 

Ilgaz Yalçınoğlu ist ein in der Türkei geborener Musikwissenschaftler, der seine Forschungen in Berlin fortsetzt. Nach seinem Grundstudium der Musikwissenschaft, Medienwissenschaft und Kunstgeschichte in Marburg begann er sein Masterstudium der Musikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind Musikkognition, lokale Musikkulturen, Geschichte der populären Musik und Klangpolitik. Neben seiner akademischen Forschung organisiert er verschiedene Musikveranstaltungen und setzt seinen Musikjournalismus mit Artikeln und Radiosendungen fort.

 

Merve Namlı ist eine in Berlin lebende queer-feministische Journalistin für die Henrich-Böll-Stiftung, die Rosa-Luxemburg-Stiftung, taz blogs, Missy Mag und für verschiedene internationale Medien. Seit 11 Jahren arbeitet sie als Simultandolmetscherin für politische und kulturelle Institutionen. Sie kuratiert Konzerte und Multimediafestivals (Future East Festival, Dümtek) und co-programmiert zwei monatliche Radiosendungen mit und für die queere BiPOC Music Community (Cashmere Radio, THF Radio).

 

Selim Özadar kommt aus Izmir und wohnt derzeit in Berlin. Er arbeitet als Projektmanager bei MitOst, einer zivilgesellschaftlichen Organisation, die den grenzüberschreitenden kulturellen Austausch zwischen Europa und den angrenzenden Regionen fördert. Seit 2017 hat er mehrere Kulturprojekte in Deutschland mitorganisiert, darunter KuirFest Berlin und Dümtek.

 

Fugitive Archives – unerhört und ungesehen ist ein Projekt von Oyoun im Rahmen der „Europe Challenge“, gefördert von der Europe Culture Foundation und in Kooperation mit der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB).